Rede von Bernd Lehmann.
Liebe Freundinnen und Freunde,
die großen Energiekonzerne rüsten auf. 27 neue Braun- und Steinkohlekraftwerke sollen deutschlandweit entstehen. 12 davon, das „dreckige Dutzend“, allein in Nordrhein-Westfalen. Damit wollen sie ihre veraltete Technik in die nächsten Jahrzehnte retten.
Wer einen Blick auf die Übersichtspläne vom BUND mit den geplanten Kraftwerksbauten wirft, dem wird schnell schwarz vor Augen. Von Duisburg bis Hamm sprießen gerade im Ruhrgebiet die Kraftwerkstürme aus dem Boden und torpedieren nicht nur auf Dauer den Klimaschutz und unsere Bemühungen zur Energiewende, sie bedrohen auch den Strukturwandel im Ruhrgebiet.
In den letzten Jahren hatte das Ruhrgebiet die Hoffnung, das Schmuddelimage der Industrieregion endlich abzulegen. 2010 werden Essen und das Ruhrgebiet europäische Kulturhauptstadt sein. Mit der von uns Grünen initiierten Ruhrtriennale zog Kultur dort ein, wo mit einer vermeintlich beendeten Industrie- und Energieepoche abgeschlossen wurde: in den stillgelegten Zechen und Kokereien. Die Jahrhunderthalle ist hierfür ja ein glänzendes Beispiel.
Inzwischen sehen sich insbesondere die Ruhrgebietsstädte umzingelt von gigantischen Kraftwerksbauten und Erweiterungen. Allein rund um den Kreis Recklinghausen befinden sich in Datteln, Herne, Lünen und Gelsenkirchen vier Kraftwerksbauten in den Startlöschern - gegen den engagierten Widerstand von Grünen und gegen einen breiten Protest der Bevölkerung.
Dieser Protest ist verständlich und absolut zu unterstützen, denn Kohlekraftwerke sind nicht nur die größten Klimakiller, sie sind außerdem absolute Dreckschleudern. Sie blasen einen Giftcocktail aus Quecksilber, Cadmium, Blei, Arsen und Feinstaub in die Luft. Trotz Einhaltung der Grenzwerte sind Kraftwerksstandorte für die Gesundheit der Menschen Risikostandorte.
Das Absurde aber ist, liebe Freundinnen und Freunde, dass ausgerechnet der Emissionshandel den Bau dieser Dreckschleudern begünstigt.
Der Emissionshandel war und ist der richtige Ansatz. Unbenommen. Das aber, was die Kohlelobby der SPD und die Industrielobby der CDU daraus gemacht haben, sind pure Geldgeschenke für die großen Energiekonzerne. Nicht zu einem Wettbewerb um die sauberste Energiegewinnung hat der Emissionshandel geführt, sondern im Gegenteil zu einer Verzerrung der Wettbewerbsbedingungen.
Die Betreiber der neuen Kohlekraftwerke, die zwischen 2010 und 2012 ans Netz gehen sollen, erhalten von SPD und CDU Gratis-Zertifikate im Wert von bis zu 4,2 Milliarden Euro. Für vergleichbare Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerke würden die Stromkonzerne nur die Hälfte erhalten. Die Rechnung ist also ganz einfach: setzen die Stromkonzerne auf klimaschädliche Kohlekraftwerke, anstatt auf moderne Gas-Kraftwerke, können sie zusätzliche Gewinne von bis zu 2 Milliarden Euro einfahren.
Von unserem Parteitag muss daher ein klares Signal ausgehen:
Wir werden gegen die Klimakiller von RWE, EON, Vattenfall und CO kämpfen.
Wir sind gegen die geballte Kohlekraftwerksplanung in NRW.
Mit unseren Energiekonzepten stellen wir uns gegen die neuen Steinkohlekraftwerke im Ruhrgebiet und gegen die Braunkohlekraftwerke im Rheinland.
Wir müssen uns für einen echten Emissionshandel mit starken staatlichen Steuerungsinstrumenten einsetzen. Über eine stark begrenzte Verteilung von Verschmutzungsrechten müssen wir Altindustrieregionen wie dem Ruhrgebiet die Chance geben, wieder Luft zu holen.
Deshalb bitte ich Euch, dem Antrag vom KV Recklinghausen und Ewald Groth zuzustimmen.
Vielen Dank